Rede des Botschafters anlässlich der Feierlichkeiten „25 Jahre Deutsche Botschaft Kiew“ am Dienstag, dem 7. Februar 2017

Anreden,

herzlich willkommen zu unserer Feier des 25jährigen Bestehens der deutschen Botschaft in Kiew. Dies ist für uns ein besonderer Anlass, nicht zuletzt, weil 25 Jahre Botschaft auch 25 Jahre der unabhängigen, freien Ukraine und 25 Jahre deutsch-ukrainische Beziehungen bedeutet.

Wie Sie vielleicht wissen, war Deutschland das erste Land überhaupt, das einen Botschafter in der Ukraine hatte. Mein Vorgänger Graf Bassewitz stand heute vor genau 25 Jahren auf einer Leiter, um eigenhändig das Schild anzubringen, auf dem stand: „Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in der Ukraine“. Leider erlaubt es ihm seine Gesundheit nicht, heute unter uns zu sein. Der Mann, der die Leiter hielt, auf der Graf Bassewitz stand, ist aber hier, und er arbeitet bis heute an der Botschaft: unser Dolmetscher Wolodymyr Schelest. 25 Jahre Arbeit an der Botschaft – kein Wunder, dass Herr Schelest so oft auf den Bildern unserer Chronik zu sehen ist, die dort hinten hängt.

Was Sie hier ebenfalls sehen können, sind Porträts und kurze Aufsätze von sieben Ukrainerinnen, die so alt sind wie die deutsch-ukrainischen Beziehungen: 25 Jahre. Sie sind heute unter uns. Wenn man noch so jung ist, kann man mit Hoffnung und Zuversicht die nächsten 25 Jahre ins Auge fassen. Das tun diese jungen Leute – für sich persönlich und mit Blick auf unsere Beziehungen. Zwei von ihnen haben Sätze geschrieben, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind. Der eine Satz ist: „Bis wir 25 Jahre alt sind, finden wir unsere besten Freunde.“ Der andere Satz lautet: „Paul, mein lieber Paul…“ Die Rede ist von Paul Celan, dem großen deutschsprachigen jüdischen Dichter, der aus Tschernowitz stammte – ein Hinweis auf die Beziehungen zwischen unseren Nationen, die viel länger als die letzten 25 Jahre zurückreichen.

Aber nicht ich bin hier der Redner. Sondern ich bin stolz, dass wir zwei prominente Persönlichkeiten haben, die zum Thema Interessantes zu sagen haben.

Der eine ist Serhij Zhadan, der gerade in der Novoje Vremja als der „Frontmann der zeitgenössischen ukrainischen Literatur“ porträtiert worden ist. Ich kenne kaum einen lebenden Autor, der so unmittelbar in der politischen Wirklichkeit seines Landes steht. Herzlich willkommen!

Der andere ist Markus Meckel, der letzte Außenminister der DDR. Er wurde Minister nach den ersten freien Volkskammerwahlen 1990, die den Kommunismus in der DDR ablösten. Er verhandelte gemeinsam mit Hans-Dietrich Genscher mit den Außenministern der Sowjetunion, der USA, Frankreichs und des Vereinigten Königreichs die außenpolitischen Aspekte der deutschen Wiedervereinigung, darunter die NATO-Mitgliedschaft des gesamten vereinigten Deutschland. Wer könnte besser den Bogen von 1991 bis heute schlagen als dieser Mann!

Meine Damen und Herren,

als guter Gastgeber will ich aber beginnen mit Serhij Zhadan.

Rede des Botschafters anlässlich der Feierlichkeiten „25 Jahre Deutsche Botschaft Kiew“

Botschafter Ernst Reichel hält ein Grußwort beim Empfang anlässlich 25 Jahre seit Eröffnung der Botschaft am 07.02.2017